Die deutsche Schauspielerin Ingrid Maria van Bergen, bekannt als die 78-Jährige, die 2009 das Dschungelcamp gewann, ist am 28. November 2025 im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Eyendorf, Niedersachsen, tot aufgefunden worden. Ihre beste Freundin, die sie seit ihrer Erblindung im Jahr 2025 betreute, fand sie in ihrer Wohnung. Die genaue Todesursache bleibt unklar — doch ihr Leben war nie einfach. Es war eine Reise von Kriegstraumata über einen berüchtigten Mord bis hin zu einer unerwarteten kulturellen Wiedergeburt.
Ein Leben zwischen Krieg, Schuld und Wiedergeburt
Ingrid van Bergen wurde am 15. Juni 1931 in Danzig-Langfuhr geboren, damals Freie Stadt Danzig, heute Gdańsk in Polen. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte sie der Hitlerjugend an — nicht als Fanatikerin, sondern als Kind, das in einer Spielschar Lieder für Heimkehrer sang. 1945 floh sie mit ihrer Mutter und drei Geschwistern auf dem Schiff Moltkefels vor den sowjetischen Luftangriffen. Über 2.000 Menschen waren an Bord. Nur wenige überlebten die Überfahrt. Van Bergen tat es — und trug die Traumata ihres Jugendalters ihr Leben lang mit sich. In den 1950er und 60er Jahren wurde sie zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen des deutschen Kinos: die kalte, verführerische Diva, die Männer verführte und sie zerbrach. Doch 1977, mit 45, änderte sich alles. In einem Villenhaus am Starnberger See schoss sie mit einer Revolverkugel in die Brust und den Bauch ihres 33-jährigen Freundes, Finanzmakler Klaus Knaths. Er starb an den Verletzungen. Van Bergen sprach später von einer „verzweifelten Affekthandlung“. Das Gericht verurteilte sie zu mehreren Jahren Haft — die genaue Dauer ist bis heute nicht öffentlich. Was danach kam, war noch ungewöhnlicher.Die Wiedergeburt der „Jungle Queen“
Nach ihrer Entlassung kehrte sie nicht in die Filmindustrie zurück — sie baute sich eine neue Existenz auf. Im Theater, im Fernsehen, in kleinen Rollen, mit leiser, aber unbeirrbarer Beharrlichkeit. Und dann, im Alter von 78, gewann sie das Dschungelcamp. Ein Moment, der Deutschland berührte. Warum? Weil sie nicht um Aufmerksamkeit kämpfte. Sie kämpfte ums Überleben. Und sie gewann — nicht mit Charme, sondern mit Würde. „Altern ist keine Kapitulation“, sagte sie damals. Und sie meinte es. Ihr Leben nach dem Dschungelcamp war geprägt von Ruhe und innerer Suche. Sie wurde Buddhistin, lebte vegetarisch, schrieb Kurzgeschichten aus der Perspektive von Tieren — und trat 2013 der Partei Mensch Umwelt Tierschutz bei, einer kleinen, aber engagierten Gruppe, die sich für Menschenrechte, Tier- und Umweltschutz einsetzt. Sie war keine Aktivistin im klassischen Sinn. Aber sie war eine, die glaubte, dass Ethik nicht von Alter abhängt.Das letzte Kapitel: Einsamkeit und Licht
Seit 2020 lebte sie in einer Wohngemeinschaft auf einem Bauernhof in Eyendorf, gemeinsam mit einer Freundin, die sie während ihrer Haftzeit kennengelernt hatte. Die beiden teilten nicht nur den Raum — sie teilten das Schweigen, das oft schwerer ist als Worte. Im Frühjahr 2025 erlitt sie eine Augenblutung, verlor ihr Sehvermögen. Ihre Freundin blieb. Tag für Tag. Bis zum Ende. Die Nachricht von ihrem Tod verbreitete sich schnell — nicht wegen des Skandals, sondern wegen der Tragweite ihres Lebens. Sie war nicht nur die Frau, die einen Mann erschoss. Sie war die Frau, die danach weiterlebte. Und zwar mit einer Art von Stärke, die man heute kaum noch kennt.
Was bleibt? Eine Projektionsfläche für Schuld und Hoffnung
Die Schweizer Zeitung Blick.ch nannte sie „unverwüstlich“. Ein treffendes Wort. Denn van Bergen war nicht nur überlebend — sie war transformierend. Ihr Leben war eine Projektionsfläche: für Schuld, für Reue, für die Frage, wie viel ein Mensch ertragen muss, bevor alles entgleist. Und doch — sie hat nie aufgegeben. Nicht nach dem Krieg. Nicht nach dem Gefängnis. Nicht nach der Erblindung. Sie war eine Künstlerin, die ihre Traumata nicht verkaufte, sondern verarbeitete. Und das macht sie zu einer der komplexesten Figuren der deutschen Popkultur. Nicht als Ikone der Schönheit — sondern als Zeugin der Widerstandsfähigkeit.Was kommt jetzt?
Es gibt keine öffentliche Trauerfeier. Kein Grab, das Besucher ansteuern könnten. Ihre Freundin hat angekündigt, die Asche in der Natur zu verstreuen — „wo die Vögel singen“, wie sie es formulierte. Keine Medien, keine Interviews, keine Wiederaufführung ihrer Filme. Nur die Erinnerung. Und doch: Wer sie kannte, weiß, dass sie nie wollte, dass man sie als „Mörderin“ oder „Dschungelkönigin“ sieht. Sie wollte, dass man sie als Frau sieht — mit all ihren Fehlern, all ihren Lichtern, all ihrem Schmerz.Frequently Asked Questions
Warum wurde Ingrid van Bergen als „Jungle Queen“ bezeichnet?
Sie erhielt diesen Spitznamen, nachdem sie 2009 im Alter von 78 Jahren das Reality-Format „Dschungelcamp“ gewann — als älteste Teilnehmerin aller Zeiten. Ihre gelassene Haltung, ihr Humor und ihre Fähigkeit, trotz körperlicher Einschränkungen durchzuhalten, beeindruckten das Publikum. Der Titel „Jungle Queen“ wurde zum Symbol für ihre Unbeugsamkeit und ihre Fähigkeit, trotz Vergangenheit neu zu beginnen.
Wie hat die Öffentlichkeit auf ihren Mordfall reagiert?
Der Mord an Klaus Knaths 1977 sorgte für große Aufregung, da van Bergen eine bekannte Schauspielerin war. Die Medien porträtierten sie oft als „fatale Femme fatale“. Doch mit der Zeit änderte sich die Wahrnehmung: Viele sahen in ihr eine Frau, die unter psychischer Belastung handelte. Ihr Urteil wurde als mild angesehen — was damals kontrovers diskutiert wurde, heute als Zeichen menschlicher Komplexität verstanden wird.
Welche Rolle spielte ihre buddhistische Spiritualität in ihrem Leben?
Van Bergen beschrieb sich ab 2009 als „bekennende Buddhistin“. Die Lehre half ihr, mit Schuld und Trauma umzugehen. Sie praktizierte Achtsamkeit, meditierte täglich und lebte vegetarisch — ein Ausdruck ihrer Verantwortung gegenüber allem Lebendigen. In Interviews sprach sie davon, dass ihre Spiritualität sie „nicht verurteilte, sondern trug“ — ein entscheidender Faktor für ihre innere Ruhe in den letzten Jahren.
Warum lebte sie in Eyendorf und nicht in einer größeren Stadt?
Nach ihrer Haftzeit suchte van Bergen Ruhe und Nähe zur Natur. Eyendorf, ein kleiner Ort mit knapp 1.200 Einwohnern in Niedersachsen, bot ihr genau das: Abgeschiedenheit, Frieden und eine Gemeinschaft, die nicht nach ihrem Ruhm fragte. Sie lebte dort seit 2020 mit einer Freundin aus ihrer Gefängniszeit — eine Entscheidung, die zeigt, wie tief ihre Verbindungen waren und wie wenig sie nach Oberflächlichkeit suchte.
Wie wird sie in der deutschen Kulturgeschichte bewertet?
Sie wird heute als eine der ungewöhnlichsten Figuren der deutschen Nachkriegskultur angesehen: eine Schauspielerin, die zwischen Film, Kriminalität und spiritueller Suche pendelte. Ihr Leben ist kein einfacher Heldentum — es ist ein Beispiel dafür, wie Menschen trotz schwerster Schuld und Traumata weiterleben können. Sie hat die Grenzen dessen, was man „verzeihen“ kann, neu definiert — und damit einen bleibenden Einfluss auf die Diskussion über Schuld und Wiedergutmachung hinterlassen.